Noch
im gleichen Jahr wurden die „Spähtrupps“ des Corps ausgesandt, doch
von den insgesamt 41 Männern kehrten nur knapp die Hälfte zurück.
Die Übrigen wurden von den Maygonen aufgebracht und inhaftiert, was
den Aufbau freundlicher Beziehungen erheblich zu beeinträchtigen drohte.
In einer eiligst einberufenen Krisensitzung des Oberkommandos wurde der
Entschluss gefasst, diese Leute zu opfern. Von Seiten der Imperialen Sreitkräfte
aus, waren diese Männer nie offiziell dorthin gesandt worden, und
so deklarierte man sie kurzerhand als Deserteure, die den Aufbau freundschaftlicher
Beziehungen sabotieren wollten, und überließ sie der maygonischen
Gerichtsbarkeit. Doch auch diejenigen Ranger, welche von ihren Einsätzen
zurückgekehrt waren, wurden aus dem Verkehr gezogen. Man konnte kein
Risiko eingehen, doch mit der Angelegenheit in Verbindung gebracht zu werden.
Zum endgültigen verwischen der Spuren wurde schließlich der
MND aktiv und filterte die Informationen, ehe man sie herausgab.
Damit
war das größere Problem aus der Welt geschafft, doch es gab
noch eine zweite Sache, die dem Oberkommando zu schaffen machte. Wie konnte
es soweit kommen, dass gut die Hälfte der Männer, welche der
absoluten Elite des Militärs angehörten, im Einsatz entdeckt
und gefangen genommen werden konnten? Und wie konnte man dem Abhilfe schaffen?
Die Ranger waren nicht mehr jene scheinbar unbesiegbaren Halbgötter.
Das Podest, auf das man sie gehoben hatte, war erschüttert worden.
Hitzige
Debatten entbrannten und es wurden erste Rufe nach einer Reformierung des
Corps laut. Vor allem Major Clark Dudley, seines Zeichens Mitglied des
Corps, setzte sich dafür ein. Letztlich wurde dieser Gedanke jedoch
verworfen, denn das Oberkommando kam zu folgenden Ergebnissen. Erstens:
Dass die Zahl der Verluste wachsen würde, war abzusehen gewesen, da
man es nun mit einem straff organisierten Militärapparat zu tun hatte.
Zweitens: Die erlittenen und voraussichtlich noch folgenden Verluste während
kommender Missionen waren vertretbar, wenn man die zu erwartenden Ergebnisse
berücksichtigte. Eben jene „Aufklärungsmissionen“ hatten wichtige
Informationen über die Maygonen geliefert und daher waren die Verluste
vertretbar, zumal man in diesem Falle gar noch ein Sondersituation zu bedenken
hatte – die Aktion war nicht in Kriegszeiten vollzogen worden, also unter
„verfälschenden Rahmenbedingungen“. Und gerade das war der Punkt,
vor dem Major Clark zum Ende der Sitzung warnte. Dies war kein „Ernstfall“
gewesen.
Der
Verlauf der Geschichte spielte jedoch dem Oberkommando in die Hände
– vorerst. Schon kurz nachdem jene Entscheidung gefällt worden war,
wuchsen und gediehen die Beziehungen zwischen Menschen und Maygonen. Mehr
und mehr Verträge wurden geschlossen, der Handel blühte und allerorten
herrschte friedliche Koexistenz, so dass die Ranger wieder auf ihre ursprünglichen
Aufgaben angesetzt wurden und Polizei-Einsätze ausführten, wo
immer sie gebraucht wurden. Doch dann kam der Tag, an dem das C5 entdeckt
wurde.
Sowohl
Menschen als auch Maygonen beanspruchten Sojus 5, den Planeten , auf dem
es entdeckt worden war für sich, und es schien keine Einigung möglich.
Der Kriegszustand wurde auf beiden Seiten ausgerufen und erst im letzten
Augenblick wurde der Krieg verhindert. Die Maygonen offenbarten ihren Kampf
gegen die Plasmoden und bescherten den Imperialen Streitkräften ihre
bis dato größte Herausforderung, indem man sich verbündete.
Menschliche und maygonische Militärs trafen zusammen, entwickelten
Taktiken, koordinierten ihre Streitkräfte und schmiedeten Pläne,
bei denen das Corps eine entscheidende Rolle spielte, was sowohl das Oberkommando,
als auch die Mitglieder des Corps begrüßten. Nach 49 Jahren
kam es zu „echten“ Kampfeinsätzen, bei denen das Corps seine Überlegenheit
demonstrieren konnte.
So
wurden die Ranger im Jahre 2552 auf Spezialmissionen tief im Feindesland
geschickt, um den Gegner dann und dort zu treffen, wann und wo er es am
wenigsten vermutete. Das erste Ziel war ein Versorgungsposten der Plasmoden.
Es wurde ein Trupp von zwölf Mann Stärke ausgesandt, der ihn
sprengen und damit den Vormarsch des Feindes stoppen sollte. Diesen Auftrag
erfüllten die Ranger auch, doch keiner von ihnen kehrte zurück.
Dies war ein Schlag mitten ins Gesicht. Doch das Oberkommando nahm diesen
Verlust billigend in Kauf, indem es sich auf die Entscheidung von 2542
berief. Die Verluste waren in Relation zum Erreichten vertretbar. So sandte
man das Corps weiter auf Missionen aus. Diese Missionen waren jedoch tatsächlich
jene “Himmelfahrtskommandos“, zu denen frühere Einsätze hochstilisiert
worden waren und so fielen im Rahmen der nächsten sieben Missionen
53 der insgesamt 71 eingesetzten Ranger. Von den 18 Überlebenden mussten
13 ihren aktiven Dienst im Corps aus Verletzungsgründen quittieren
und wurden in den Innendienst versetzt. Wenn die Öffentlichkeit erfuhr,
wie die Eliteeinheit der Streitkräfte mit Leichtigkeit vernichtet
wurde, konnte das den gesamten Militärapparat demoralisieren und die
Bevölkerung in Panik versetzen. So suchte der MND zum einen fieberhaft
nach „Ersatzhelden“ und rief zum anderen ein Programm der „gezielten Desinformation
Dritter“ ins Leben. Der Informationsfluss wurde kanalisiert. Sämtliche
Berichte wurden gesichtet und bearbeitet, um das Idealbild des Corps aufrecht
zu erhalten.
Fortsetzung folgt
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